Watch Dogs Legion hat mich nun viele Stunden bis zu den Credits gefesselt. Was ich von dem Spiel abschließend halte, erfahrt ihr in unserem kleinen Test.

Ich bin großer Fan der Watch Dogs Reihe und war daher auch sehr gespannt auf das neueste Werk von Ubisoft, welches sich mit vielen der heutigen Themen beschäftigt und teilweise humoristisch aufgreift.

Die Story

Die Hackergruppe DedSec ist nicht nur in den USA tätig, sondern ebenfalls auch in London. Zu Beginn des Spiels erleben wir das Tutorial aus Sicht eines DedSec Agenten, der zusammen mit weiteren Mitgliedern einen Bomben-Anschlag auf London vereiteln möchte. Dies misslingt, die Stadt wird vielerorts zerstört und DedSec wird der Anschlag angehaftet. All dies wurde verübt durch eine weitere Hackergruppe namens „Zero-Day“. So wird es uns zumindest Anfangs verkauft.

Unsere Aufgabe lautet daher, den Ruf von DedSec wieder herzustellen und die wahren Täter hinter dem Anschlag zur Rechenschaft zu ziehen.

Im Laufe der ersten Stunden erfahren wir aber bereits mehr über die Konstellationen der einzelnen Gruppierungen, die London in diese Miesere gebracht hat. Aus Spoiler-Gründen gehe ich hier aber nicht weiter ins Detail.

Grundsätzlich sei aber gesagt, die Story bietet sehr viele spannende Spielstunden, darunter fallen aber auch einige monotone Aufgaben, die mal mehr mal weniger etwas zur Story beizutragen haben. Ich habe ungefähr 25 Spielstunden benötigt, um das Spiel abzuschließen. Hierzu bin ich aber nicht immer nur der Hauptmission gefolgt, sondern habe auch viele Nebenmissionen absolviert. Daher schätze ich die ungefähre Spieldauer auf Rund 20 Stunden.

Jeder NPC ein Rekrut?

Das große, stark beworbene neue Feature, dass jeder NPC für DedSec rekrutiert werden kann, klingt anfangs super spannend. Das funktioniert so weit auch wunderbar und ist gut umgesetzt.
Durch Scannen sehen wir die Fähigkeiten des gewählten NPC, die wir bekommen, sollten wir ihn für unser Team begeistern können. Meistens bieten diese sehr belanglose Features an, wie etwa ein spezielles Fahrzeug oder eine besondere Waffe. Ebenso die Fähigkeiten, wie etwa die Möglichkeit, dass der NPC unerwartet an einem Herzleiden und unwiederbringlich stirb – Na toll.

Es gibt allerdings auch Rekruten, die sehr Vorteilhaft sind. Diese können durch spezielle Berufs-Bekleidung ungesehen durch feindliches Gebiet laufen, Drohnen rufen oder haben andere Ablenkungsmöglichkeiten. Die Vielfalt der unterschiedlichen Agenten fällt dabei aber insgesamt sehr hoch aus, was es uns ermöglicht die maximale Anzahl an 40 Agenten schnell anzuwerben.

Im späteren Verlauf werden wir regelmäßig auch auf solche Agenten hingewiesen oder schalten einige der speziellen Agenten durch das Abschließen von Stadtteilen frei, hierzu aber später mehr.

Hat man dann einen potentiellen Rekruten gefunden, kann man diesen entweder für später Speichern, oder direkt ansprechen. Anschließend erfolgt eine Mission, die wir für den neuen Agenten bewältigen müssen. Ist diese abgeschlossen, schließt sich dieser uns an. Die Rekruten-Aufgaben laufen hierbei häufig nach dem selben Schema ab und Wiederholen sich nach einiger Zeit bereits.

Das Feature ist zwar gut umgesetzt, allerdings haben sich in meinem Durchlauf nur 2–3 Agenten als wirklich nützlich herausgestellt, welche auch fast das gesamte Spiel über genutzt wurden.

Stirbt einmal ein Agent, wird dieser Verhaftet und nach einiger Zeit wieder entlassen (Haben wir einen Anwalt im Team, ist diese Zeit deutlich verkürzt). Alternativ besteht auch die Möglichkeit zum Start des Spiels auf Perma-Death zu setzen, dann verlieren wir einen Agenten, wenn er ins digitale Gras beißt.

Sollten wir auch einmal nicht zufrieden mit dem Aussehen unseres Agenten sein, können wir an den unzähligen Geschäften neue Klamotten für unsere Agenten kaufen und diese somit Individualisieren. Das Anpassen der Frisur, oder anderen körperlichen Merkmalen ist allerdings nicht möglich.

Schön finde ich, dass unsere Rekruten in Zwischensequenzen und Gesprächen auftreten und wir somit verschiedene Stimmen und Ansprechpartner haben, die alle in der Deutschen Synchronisation zum Großteil gut Vertont sind.

Besonders hervorzuheben ist zusätzlich unsere Begleiter-KI Bagley, die unser Auge über die Stadt ist. Er kommt immer wieder mit witzigen und sarkastischen Sprüchen um die Ecke und lockert viele Gespräche enorm mit Witz und Charme auf.

Das Futuristische London

London ist als Schauplatz sehr schön gestaltet. Wir kommen an vielen bekannten Orten wie dem Piccadilly Circus, dem London Eye und dem Buckingham Palace vorbei und dienen ebenfalls oft als Missions-Schauplatz. Diese sind sehr detailliert dargestellt und Wunderschön anzusehen.

Auch ist alles sehr Bunt, belebt und passt sehr gut in eine technologische Version von London. Ebenfalls besitzen die Autos einen Autopiloten, der uns eine Rundfahrt durch die Stadt ermöglicht. Schnell an unser gesetztes Ziel kommen wir damit aber nicht.
Eine allzu große Auswahl an Fahrzeugen ist allerdings nicht zu erwarten. Immer wieder treffen wir auf dieselben Fahrzeuge, nur selten sind einmal Sportwagen oder andere Exoten zu sehen. Die Zukunft scheint also für Autoliebhaber nicht gut auszusehen.

London bietet natürlich auch wieder viele Schranken, Poller und andere Fallen, die uns in Verfolgungsjagden helfen und per Knopfdruck ausgelöst werden können. Auch andere Fahrzeuge können bewegt werden, was zu Staus und anderen Blockaden führt.

Die Karte selber ist in verschiedene Stadtteile aufgeteilt, die wir nach und nach Freischalten können, um diese von der Unschuld DedSecs zu überzeugen. Haben wir dies geschafft, erhalten wir einen speziellen Agenten mit besonderen Fähigkeiten und Waffen.

Watch Dogs Legion London

Die Karte mit allen Bezirken

Die Fahrzeuge finden allerdings nicht sehr häufig Verwendung, da die meisten Aufgaben zu Fuß oder mit anderen Gadgets deutlich besser zu meistern sind.
Wenn wir uns mit einem unserer Agenten durch die Stadt bewegen, können wir wieder alles Mögliche erklimmen, sei es per Stapler, an einem Rohr oder per Lieferdrohne. Die Lieferdrohne ermöglicht es uns sehr schnell an hohe Orte zu gelangen, wodurch einige Aufgaben sehr einfach werden.

Wo wir gerade bei Gadgets sind …

Der heimliche Star

Sehr früh im Spiel schalten wir unseren Spider-Bot frei, den wir im Laufe des Spiels noch weiter verbessern können, etwa mit einem Doppel-Sprung. Dieser Spider-Bot erlaubt es uns, in feindliches Gebiet einzudringen, Aufgaben abzuschließen und Feinde unschädlich zu machen, ohne unseren Agenten auch nur in die Nähe von Gefahr zu bringen.

Watch Dogs Legion Spiderbot

Dieser Bot hat mir bei ungefähr 80% aller Missionen geholfen und zählt daher zu dem eigentlichen „Hauptprotagonisten“. Mit ihm können wir in enge Lüftungsschächte eindringen, uns vor Feinden hinter kleinen Gegenständen verstecken und nahezu alle wichtigen Terminals hacken. Selten ist die direkte Anwesenheit des Agenten gefordert.

Alle meine Agenten waren daher mit diesem Spider-Bot ausgestattet und alle anderen Gadgets fanden keine Verwendung.

Neue Fähigkeiten, Waffen und Gadgets

Überall in der Stadt verteilt befinden sich Technikpunkte, die wir mal ebenso am Straßenrand aufsammeln, oder durch (teilweise) knifflige Rätsel erhalten. Diese Technikpunkte sind wichtig, da wir dadurch neue Fähigkeiten für unsere Agenten freischalten und diese Aufwerten. Damit lassen sich im späteren Verlauf stärkere Drohnen erst Deaktivieren, dann Kapern und auf Stufe drei können wir den Drohnen befehlen sich gegen unsere Feinde zu stellen.

Watch Dogs Legion Skilltree

Der Skilltree von Watch Dogs Legion

Haben wir einen Stadtteil für uns gewonnen, werden dort alle noch vorhandenen Technikpunkte angezeigt, die wir anschließend einsammeln können.

Schießereien als Nebensache

Wenn nicht anders von einer Mission gefordert, sind Schießereien (für mich) Nebensache. Auch halten die Agenten nicht viel aus, was schnell zum Ableben, oder Gefängnisaufenthalt führt.
Dies wiederum führt letzten Endes dazu, dass ich eben auf Alternativen ausgewichen bin. Etwa das Übernehmen der Kameras, wodurch ich Fallen scharf machen konnte, in die dann ein Gegner gelockt wurde, um diesen unschädlich zu machen. Auch der Spider-Bot war immer meine Wahl Nr. 1.

Watch Dogs Legion Spiderbot

Der Spiderbot im Einsatz

Wer mag, kann sich aber auch mit Gewalt die Stadt zurückerobern.

Fazit

Watch Dogs Legion hat mich von Anfang an gepackt, da ich großer Fan der vorherigen Teile bin. Die Story ist im Großen und Ganzen schlüssig und gut umgesetzt, kommt teilweise aber etwas Plump und vorhersehbar rüber. Auch das groß beworbene Feature der Rekrutierung aller NPCs klingt im ersten Moment super innovativ und spannend, allerdings kann ich im nachhinein sagen, dass ich mir lieber wieder einen festen Hauptcharakter gewünscht hätte, der einem ans Herz wächst, statt dutzender Charaktere zwischen denen ich hin und her wechseln kann.

Einzig Bagley ist mir hierbei ans Herz gewachsen, der immer wieder für Schmunzler mit seinen Antworten sorgte.

Sehr überzeugend finde ich London als Schauplatz, besonders mit dem futuristische Setting, welches sich Wunderbar integriert. Viele Orte wurden sehr detailliert nachgebaut.

Die vielen Hacking Möglichkeiten in allen Missionen sind enorm und immer wieder spannend und fordernd. Häufig ähneln sich die Missionen zwar, aber durch die verschiedenen Möglichkeiten und Herangehensweisen ist der Unterschied schon deutlich zu spüren. Dies ist auch genau das, was für mich ein Watch Dogs ausmacht: Das Hacken.
Lediglich bei den Nebenmissionen um neue Rekruten zu erhalten ist auffällig, dass die Aufgaben sich wiederholen.

Technisch sowie Grafisch konnte ich bei meinem Durchlauf auf der Xbox One keine Probleme oder Abstürze feststellen. Alles lief flüssig von der Hand.

Alles in allem ist das neue Watch Dogs Legion eine klare Empfehlung an alle, die der Ubisoft-Formel nicht abgeneigt sind, dem Setting etwas abgewöhnen können und auch kein Problem mit dem Links-Verkehr auf den Straßen hat.

Bildquelle: Ubisoft