Gears 5

Gears 5 im Test

Wir haben das neue Gears 5 auf Herz und Nieren geprüft und verraten euch, was wir vom neuesten Ableger der Serie halten.

Neuer Hauptcharakter

Gears 5 knüpft natürlich an das Ende von Gears 4 an. Zum ersten Mal treten die Spieler in die Fußstapfen von Kait Diaz, die nach den Ereignissen von Gears of War 4 versucht, sich mit dem Tod ihrer Mutter auseinanderzusetzen, die verdrehten Wurzeln ihres Stammbaums zu entwirren und sich mit ihren persönlichen Problemen zu beschäftigen. Unterdessen wird die Menschheit erneut bedroht – diesmal durch den Schwarm, den Nachfolger der Locust.

Das ist auch ein starker Einstieg, der uns sofort sagt, dass Gears 5 mehr als alle seine Vorgänger in Erzähl- und Story-Elemente eintauchen lassen will. Während wir Marcus, JD, Cole und Co. im Laufe der Jahre wachsen und sich verändern sahen, ist es klar, dass Gears 5 darauf abzielt, diese Charaktere noch mehr zu konkretisieren – ein bewundernswertes Ziel, obwohl das nicht immer funktioniert hat.

Wir haben eine Affinität zu Marcus Fenix und den Gears – sie sind fehlerhafte Helden, die wir mit jedem neuen Teil der Serie mehr ins Herz schließen. The Coalition versucht, dieses “menschliche“ Element in Gears 5 weiter zu erforschen: die Politik hinter Gears, die umstrittenen Entscheidungen einiger Mitglieder und ihre Auswirkungen auf die Welt um sie herum. Aber es fühlt sich an, als wären die Entwickler nicht weit genug gegangen – so wie das Spiel seine Zehen in den Pool getaucht hat, aber nicht die Absicht hat, in komplexere Gewässer zu schwimmen. Das Spiel ruht sich teilweise auf ihren alten stärken aus.

Es ist auch schwierig, Kait als neue Protagonistin zu akzeptieren, vor allem, weil wir über die Jahre nicht mit ihr gewachsen sind. Veränderung ist nicht immer eine schlechte Sache und ein frischer neuer Look ist definitiv notwendig. Dadurch gewinnt das Spiel einen frischen Wind, der sich eventuell auch auf weitere Ableger erstrecken könnte.

Story ist nicht alles

Allerdings ist eine starke Erzählung nicht das Verkaufsargument von Gears. Die Serie hat nie versucht, etwas zu sein, was sie nicht ist, und weiß, wo ihre Stärken liegen: starke Kampfmechanik und der Multiplayer. Obwohl es lange dauert, bis es darum geht, die Spieler tiefer in die Geschichte einzutauchen, schätzen wir die Richtung, in die es dabei geht. Es ist aber schön zu sehen, dass letztlich auch die Story etwas ist, von dem wir mehr wollen – mehr Verbindung zu diesen Charakteren, besonders aber zu Kait und ihrer Vergangenheit.

Und doch sind die Nebentätigkeiten von Gears 5 die besten, die es je gab. Es gibt jetzt mehr Gegenstände zum sammeln als je zuvor, darunter Münzen, Poster und Bücher, sowie viele Ecken und Winkel, in denen man graben kann, von Siedlungen über versteckte Forschungseinrichtungen bis hin zu schneebedeckten Bergen. Der eifrige Spieler kann dabei ganze Geschichten und Hintergrund-Stories lesen und erfahren. Die Umwelt und die Umgebungen unterstützen die Welt besser als die Geschichte und die Dialoge. Dabei sind viele der Dialoge zwischen den Missionen sehr nett anzuhören. Besonders zwischen Kait und Del auf dem Skiff heitern die Fahrten enorm auf.

Bildquelle: Microsoft / The Coalition

Mit Gears 5 ist The Coalition ziemlich experimentell geworden – und das war wichtig. Der Entwickler übernahm die Gears-Reihe von Epic Games, beginnend mit Gears of War 4. Viel wollte der neue Entwickler dabei aber nicht verändern um die stärken der Reihe beizubehalten und Fans der ersten Stunde nicht zu vergraulen.
Grafisch hat das neue Gears auch einiges zu bieten. So sieht das Spiel bereits auf einer Xbox One schon sehr gut aus. Seine Stärken spielt es aber auf der Xbox One X und dem PC aus. Überall gibt es etwas zu bestaunen und auch die Gestik und Mimik der Charaktere ist bemerkenswert.

Das größte Gears der Reihe?

Da Gears 5 als “größtes Gears bisher“ vermarktet wird, ist es nicht verwunderlich, dass es mehr Möglichkeiten zur Erkundung gibt als je zuvor. Ihr habt jetzt das wunderbare (aber frustrierende) Skiff-Fahrzeug, mit dem ihr die größten Karten, die wir bisher in der Gears-Reihe gesehen haben, erkunden könnt. Es ist ein nettes Feature, dass den Spielern zwischen den großen Missionen ein wenig Luft zum Atmen und euch ein wenig Zeit gibt, die schöne Welt zu genießen, die The Coaliton geschaffen hat.

Aber wieder einmal fühlt es sich einfach nicht genug an. Die Elemente der offenen Welt sind genau das: Elemente. Ihr werdet mit der Aussicht gelockt, dass ihr überall erforschen und in Ruhe erkunden könnt, aber dann werdet ihr enttäuscht und trefft auf unsichtbare Wände, die euch daran erinnern, dass die Welt nicht so groß ist, wie sie wirkt. Es gibt nur bestimmte Bereiche, in denen dies geschieht, und es fühlt sich fast sinnlos an.

Glücklicherweise hat The Coalition den Spielern mehr Raum gegeben, um Ziele auf unterschiedliche Weise anzugehen, was eine willkommene Neuerung ist. Es erlaubt euch, mehr Macht darüber zu haben, wie ihr euch entscheidet zu spielen. Wollt ihr euch heimlich einer Situation nähern oder im klassischen Gears-Stil die Situation mit Waffengewalt lösen?
Es scheint eine kleine Änderung zu sein, aber es sorgt für eine viel dynamischere Kampferfahrung, die euch das Gefühl gibt, dass ihr mehr tut, als nur durch lineare Räume zu laufen und zu schießen. Aber das ist der Aspekt, den Gears insgeheim wirklich auszeichnet.

Während Gears 5 vielleicht nicht gerade glänzt, wenn es um narrative oder experimentelle Elemente geht, lässt sich nicht leugnen, dass es wirklich einer der elegantesten Shooter auf dem aktuellen Markt ist.

Trotz der Tatsache, dass Gears 5 an seinen Wurzeln des Cover-Shooters festhält, ist Gears mit jedem neuen Teil der Serie besser und besser geworden, und Gears 5 ist das raffinierteste seiner Art. Der Spielablauf von Schießen, Nachladen, Cover- und Waffentausch fühlt sich flüssiger an als je zuvor – vieles von dem, was wir vorher gesehen haben, ist verschwunden. Es ist befriedigender denn je, Hordenwellen nieder zu mähen, nahtlos auszuweichen und durch die Meute mit dem Lancer zu sägen.

In einem weiteren neuen Feature haben wir auch die Möglichkeit, unseren neuen Roboterbegleiter Jack mit Upgrades zu versorgen. Auf der ganzen Welt könnt ihr Komponenten finden, die verwendet werden können, um Jacks Fähigkeiten wie Gesundheit, Zapper, seinen Kern und die Tarnung zu verbessern, was euch mehr Strategien und Wahlmöglichkeiten gibt, wenn es um Kampfszenarien geht.

Technisch sind uns keine Bugs aufgefallen und es war zu jederzeit auf der Xbox One flüssig spielbar ohne Einbruch der FPS oder Ruckler. Auch die Ladezeiten haben sich in Grenzen gehalten und Zwischensequenzen haben sich sehr gut in das laufende Spiel integriert.

Taugt der Multiplayer?

Gears-Spiele haben sich immer ausgezeichnet, wenn es um den Multiplayer geht, vor allem in seinen einzigartigen Koop-Modi, die so gebaut sind, dass ihr mit euren Freunden viel Spaß und unzählige Stunden des Schwarm-Metzelns habt. Gears 5 ist dabei nicht anders – und wenn überhaupt, sind seine Mehrspieler-Modi besser als die, die die Serie bisher geboten hat. Wir wussten vor der Veröffentlichung, dass The Coalition das bisher größte Gears-Spiel verspricht, mit mehr Koop- und PVP-Optionen. Dieses Versprechen hat der Entwickler deutlich eingehalten und geht sogar noch darüber hinaus.

Die Mehrspieler-Modi von Gears 5 fallen unter drei Kategorien: Horde, Flucht und Versus-Modus. Im Horde-Modus kämpft ihr mit anderen Spielern, um 50 immer schwierigere Wellen von KI-kontrollierten Horden abzuwehren. Im Laufe des Spiels sammelt ihr Ressourcen, um Verteidigungsanlagen aufzubauen und bessere Waffen zu erhalten. Der Klassiker kann euch Stunden lang fesseln.

Der neue Fluchtmodus, ein Labyrinth aus richtungsweisendem Chaos, in dem ihr in einem Team von drei Spielern (online oder lokal) zusammen arbeitet, um euch so schnell wie möglich durch eine feindliche Bienenstock-Artige Karte zu kämpfen, damit ihr zusammen der nahenden Bedrohung entgeht.
Der Fluchtmodus ermöglicht schnelle Multiplayer-Action. Das ist besonders für diejenigen geeignet, die keine Zeit für den Hordenmodus haben. Es besteht jedoch die Gefahr, dass es aufgrund des Fehlens von Karten und Charakteren langweilig wird. Eventuell kommen mehr Karten mit späteren Patches oder DLCs hinzu.

Bildquelle: Microsoft / The Coalition

Schließlich gibt es noch den Versus-Modus, der an sich schon viele Optionen hat, die eine Mischung aus klassischen und neuen Arcade-Modi wie Tour of Duty, Bootcamp, Escalation, King of the Hill, Arms Race, Dodgeball, Execution, Guardian, Team Deathmatch und Warzone beinhalten. The Coalition hat bereits angekündigt, dass es nach dem Start noch viel mehr zu tun geben wird. Aber bereits jetzt bietet der Versus-Modus schnelle Multiplayer Gefechte, die Zwischendurch für Abwechslung sorgen.

Diese schnellen Matches sind ideal für diejenigen, die klassische Gears (oder die meisten FPS) Multiplayer-Modi mit ein wenig Extra-Biss genießen. Obwohl es derzeit vielleicht nicht viele Karten gibt, fühlen sich die Runden nicht unbedingt dadurch eingeschränkt an.

Unser Fazit

Gears 5 ist das Beste, was wir bisher in der Serie gesehen haben, und festigt Gears of War’s Platz als einen der größten Shooter auf dem Markt. Es ist schwer, einen Titel mit besseren Shooter-Mechaniken, mehr Mehrspieler-Modi, adrenalingeladenen Feuergefechten und einer Kampagne zu finden, die den Spieler von Anfang bis Ende in ihren Bann zieht.
Wenn es jedoch darum geht, eine packende Story oder eine Welt zu erschaffen, in die wir tief eintauchen können, ist das bei Gears 5 nicht ganz gelungen. Wir wünschen uns, The Coalition wäre noch einen Schritt weiter gegangen, um eine überzeugende und packendere Geschichte zu liefern. Gleichzeitig werden diejenigen, die wissen, was sie von einem Gears-Spiel erwarten können, mit dem neuesten Ableger mehr als zufrieden sein.

Die Bewertung

85% Gelungener neuer Ableger!

75%
86%
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88%
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